Eine unbesetzte Stelle spart Gehalt. Sie spart keine Kosten.
„Ein Interim Manager ist uns zu teuer.“ Diesen Satz höre ich regelmäßig, und er ist fast immer das Ergebnis eines Vergleichs, der so nicht aufgeht.
Verglichen wird dann ein Tagessatz mit einem Monatsgehalt. Das ist, als würde man den Mietpreis eines Staplers mit der Leasingrate vergleichen und dabei vergessen, dass der eine nur an den Tagen kostet, an denen er fährt.
Der ehrliche Vergleich lautet anders. Er lautet nicht „Interim Manager gegen Angestellten“, sondern „Interim Manager gegen eine Stelle, die seit Monaten nicht besetzt ist“. Und diese Stelle ist alles andere als kostenlos — sie steht nur in keiner Kostenstelle.
Was eine unbesetzte Logistikleitung kostet
Fünf Posten, die in keiner Rechnung auftauchen und trotzdem bezahlt werden. Ich nenne hier bewusst keine Beträge — die sind in jedem Betrieb anders. Aber jeder dieser Posten lässt sich beziffern, wenn man sich die Mühe macht.
01 Überstunden und Fremdleistung
Die Arbeit verschwindet nicht, wenn der Leiter geht. Sie verteilt sich auf Schichtleiter, auf den Betriebsleiter, auf die Geschäftsführung. Was dort an Mehrstunden anfällt, ist messbar. Was an Aufgaben liegenbleibt, weil diese Leute ihre eigene Arbeit auch noch haben, ist es nicht.
02 Entscheidungen, die niemand trifft
Eine Vakanz erzeugt keinen Stillstand, sie erzeugt Aufschub. Die Umstellung wartet, die Investition wartet, das Gespräch mit dem Dienstleister wartet. Jede dieser Verzögerungen hat einen Preis, den niemand aufschreibt, weil nichts Falsches passiert ist — es ist nur nichts passiert.
03 Projekte, die stehenbleiben
Das Lagerverwaltungssystem sollte im Frühjahr kommen. Der zweite Standort sollte angebunden werden. Solche Vorhaben brauchen jemanden, der sie täglich vorantreibt. Ohne diese Person verschieben sie sich nicht um Wochen, sondern um Quartale.
04 Fluktuation im Team
Der unangenehmste Posten. Eine Mannschaft ohne Führung verliert zuerst die Guten, weil die anderswo unterkommen. Jeder Abgang kostet Einarbeitung, Wissen und Ruhe im Team. Und wer geht, kommt nicht zurück, wenn die Stelle endlich besetzt ist.
05 Die Nachbesetzung selbst
Suchdauer, Personalberatung, Absagen, Einarbeitungszeit. Und das Risiko, unter Druck die falsche Person einzustellen — weil die Stelle endlich weg soll. Diese Fehlbesetzung ist teurer als jedes Interim-Mandat, das ich je hatte.
Eine unbesetzte Stelle spart Gehalt. Sie spart keine Kosten.
Die Rechnung, die Sie selbst aufmachen können
Sie brauchen dafür keine Beratung, nur eine halbe Stunde und Ihre eigenen Zahlen.
Die Vollkosten der Stelle
Nicht das Bruttogehalt, sondern Arbeitgeberbrutto plus Urlaub, Krankheitstage, Firmenwagen, Arbeitsplatz. Geteilt durch die tatsächlich gearbeiteten Tage ergibt das den Tagespreis Ihrer Festanstellung. Er liegt höher, als die meisten erwarten.
Die Mehrstunden der letzten drei Monate
Wie viele Stunden haben andere zusätzlich geleistet, seit die Stelle leer ist? Diese Zahl kennt die Zeiterfassung.
Die verschobenen Vorhaben
Was sollte umgesetzt sein und ist es nicht? Was hätte es gebracht? Selbst eine grobe Schätzung ist ehrlicher als eine Null.
Die Abgänge
Wer hat seit der Vakanz gekündigt? Rechnen Sie mit den Kosten, die eine Nachbesetzung in Ihrem Betrieb tatsächlich verursacht hat.
Stellen Sie das Ergebnis neben die Kosten eines Mandats — Tagessatz mal Einsätze pro Monat, ohne Lohnnebenkosten, ohne Urlaub, ohne Kündigungsfrist, und nur für die Dauer, die Sie wirklich brauchen. Dann haben Sie die Antwort. In manchen Fällen fällt sie gegen mich aus. In den meisten nicht.
Wann Interim die falsche Antwort ist
Es gibt Situationen, in denen ich abrate. Drei davon begegnen mir regelmäßig.
Wenn keine Dringlichkeit besteht
Läuft der Betrieb stabil und die Nachbesetzung ist in Sicht, warten Sie. Ein Interim Manager rechnet sich über Tempo. Wo kein Tempo nötig ist, rechnet er sich nicht.
Wenn niemand Entscheidungen abgeben will
Ein Interim Manager ohne Befugnis ist ein teurer Beobachter. Wenn die Geschäftsführung jede Entscheidung selbst treffen möchte, brauchen Sie eine zusätzliche Arbeitskraft, keinen Manager auf Zeit.
Wenn das Problem eine Ebene höher liegt
Manchmal ist die Logistik nicht das Problem, sondern der Ort, an dem ein Problem sichtbar wird — aus dem Vertrieb, aus der Disposition, aus dem Einkauf. Dann löst auch die beste Führung im Lager nichts. Das sage ich dann, und zwar vor dem Vertrag, nicht danach.
Der Unterschied, den man selten mitrechnet
Ein Interim Manager arbeitet daran, sich überflüssig zu machen. Das ist kein Werbespruch, sondern das Geschäftsmodell: Am Ende des Mandats muss der Betrieb ohne mich funktionieren, sonst war es kein gutes Mandat.
Daraus folgt eine andere Arbeitsweise. Es wird dokumentiert, was sonst im Kopf bliebe. Es werden Leute befähigt, die sonst zuarbeiten würden. Und es wird entschieden, statt Entscheidungen aufzuschieben — weil die Zeit begrenzt ist und jeder das weiß.
Steht bei Ihnen gerade eine Stelle leer?
Machen Sie die Rechnung zuerst selbst. Wenn danach noch Fragen offen sind, reden wir — und wenn sich ein Mandat nicht rechnet, sage ich Ihnen das im ersten Gespräch.
